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aldus- Exklusive Markenartikel oder Schönheit für alle? Die Bauhaus-Lampe ist ein gutes Beispiel für die Grundprinzipien der berühmten Schule — und was von ihnen heute geblieben ist.

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as Bauhaus, wenn man von ihm so verallgemeinernd sprechen möchte, wird oft auf seine Formensprache reduziert: Klare Linien, regelmäßige Flächen, Verzicht auf Ornamentik. Übersehen wird dabei oft die wichtige Rolle, die der Wahl der Materialien und ihrer Verarbeitung zukam und vor allem, welche Art der Umsetzung und Verbreitung die Kreativen für ihre Entwürfe anstrebten. Die Bauhaus-Lampe WG 24, auch Wagenfeld-Lampe genannt, ist in dieser Hinsicht typisch für die Philosophie der Bauhaus-Schule (nicht von ungefähr ziert sie seit 1998 als Beispiel für Bauhaus-Design eine Briefmarke der Deutschen Post).

bauhaus-lampe-wg-24 Wilhelm Wagenfeld entwarf die Bauhaus-Lampe 1924 in Zusammenarbeit mit Karl J. Jucker, nachdem er 1923 als Silberschmied-Geselle in das Bauhaus in Weimar eingetreten war. Angeleitet wurde der Vierundzwanzigjährige dabei von seinem Lehrer László Moholy-Nagy, dem Formmeister der Metallwerkstatt des Bauhauses. Getreu dem Grundanliegen der Bauhaus-Schule, nicht länger vergangene handwerkliche Formen und Ornamente mit Hilfe von Maschinen zu imitieren, sondern im Gegenteil einen Stil zu finden, der den Gesetzmäßigkeiten industrieller Fertigung gerecht wird, vereint die Bauhaus-Leuchte grundlegende geometrische Figuren: kreisförmiger Fuß, zylindrischer Schaft, kugelförmiger Schirm. Anders als in der heutigen Zeit, die den Begriff Bauhaus beinahe als Synonym für hochwertige Einrichtungsgegenstände verwendet, war die eigentliche Intention des Bauhauses, ihre Erzeugnisse möglichst breiten Kreisen zugänglich zu machen: Durch handwerklich-experimentelle Arbeit sollten Formmuster geschaffen werden, die sich leicht und günstig mit industriellen Mitteln und in hohen Stückzahlen fertigen ließen.

Mit einer Klarheit und Offenheit, die man kaum anders als charmant bezeichnen kann, zeigt die Bauhaus-Lampe die Materialien, aus denen sie gefertigt ist im wesentlichen Glas und vernickeltes Metall. Bei der Version WG 24 sind Schaft und Fuß in Glas ausgeführt, die Version WA 24 verwendet auch hier vernickeltes Metall. In beiden Fällen kommt für den Lampenschirm undurchsichtiges Opalglas zum Einsatz, wie es bis dahin nur im Bereich der Industriebeleuchtung gebraucht worden war. Die Vermarktung der Bauhaus-Lampe lief zunächst nur schleppend an, da entgegen der eigentlichen Konzeption die Leuchte vorerst nicht industriell gefertigt werden konnte, sondern in mühsamer Handarbeit in den Bauhauswerkstätten entstand. Inzwischen ist sie jedoch in zahllosen mehr oder weniger legalen Nachbauten auf dem Markt, die industrielle Massenfertigung gelingt also dem Anschein nach mittlerweile ganz hervorragend und sorgt für eine übergreifende Verbreitung der Bauhaus-Lampe. Wenn es auch den momentanen Lizenzinhaber verständlicherweise nicht begeistert, so dürfte dies doch ganz im Sinne Wagenfelds und der Gründerväter des Bauhauses sein, die ihre Produkte nie als etwas Exklusives ansahen, sondern sie mit dem Alltag großer Bevölkerungsteile verschmolzen sehen wollten. Das sollte bedenken, wer sich heute über die „Allgegenwärtigkeit“ von Bauhaus-Gegenständen beklagt. Einen Trick gibt es dennoch für die Anhänger der Auffassung vom exklusiven Bauhaus: Ältere Originale sind an der gelblichen Patina zu erkennen, die sich mit der Zeit auf der Nickeloberfläche bildet nicht aber auf dem Chrom der Imitate.

-aldus



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Kommentare  

 
+1 #1 2011-03-02 11:42
Altes Modell, dennoch immer ein Klassiker. Habe 2 Stück auf dem Schreibtisch stehen. Einfach schön
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