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Das Dekantieren von Rotwein kann sinnvoll sein — oder aber tödlich für den Wein. Ein wenig gesunder Menschenverstand bewahrt vor folgenschweren Fehlern.

E

s ist eine hübsche Zeremonie, die insbesondere in besseren Restaurants mit viel Liebe und augenbrauenhebender Bedeutsamkeit zelebriert wird: das Dekantieren von Wein. Wird dabei eine Kerze unter den Flaschenhals gestellt und der Korken danach an einem Silberkettchen um die Karaffe gehängt, gewinnt das Prozedere gar etwas von einem Ritual, etwas Weihevolles, das den Trinkgenuss schon im voraus steigert. Doch wer Rotwein dekantieren möchte, sollte sich im klaren darüber sein, dass Dekantieren unter bestimmten Umständen nicht nur nutzlos, sondern sogar schädlich sein kann.

rotwein-dekantieren Denn zu viel Sauerstoff kann gerade einem bejahrteren Rotwein rasch erheblichen Schaden zufügen. Zwar lässt die Luft den Wein oft an Aroma gewinnen, doch schon nach einer halben Stunde in der Karaffe kann die oxidative Note die soeben hinzugewonnenen komplexeren Aromen überdecken — im Extremfall wird der Wein ungenießbar, er „kippt um“. Auch lediglich zu langes Stehen in der offenen Flasche kann bereits schädlich sein: Eine Flasche gut gereiften, älteren Rotweins sollte innerhalb von ein bis zwei Stunden getrunken werden. Auch im Glas öffnet sich der Wein relativ schnell, vor allem, wenn man anstelle des Dekantierens etwas größere Gläser wählt. Einen zu warm temperierten, alten Rotwein jedoch zwei bis drei Stunden in einer dickbauchigen Karaffe stehen lassen und danach in riesige Gläser füllen — das kann leicht das Todesurteil für einen ansonsten großartigen Tropfen bedeuten. Meist genügt es, den Rotwein nach dem Öffnen einfach zehn Minuten in der offenen Flasche stehen zu lassen.

Schon eher sollte man Rotwein dekantieren, um gehaltvolle Weine, die man vor Erreichen ihrer Topform geöffnet hat, zugänglicher zu machen, also etwa einen jungen, schweren Bordeaux (wenn man ihn denn unbedingt schon öffnen muss). Auch kann das Dekantieren leichte Fehler, etwa den Geruch einer leichten Nachgärung in der Flasche abmildern. Sinnvoll ist das Dekantieren von Rotwein ebenfalls, um den Wein von seinem Bodensatz, dem „Depot“ zu trennen. Insbesondere extraktreicher Rotwein, der lange auf der Maische lag und im Holzfass ausgebaut wurde, neigt nach jahrelanger Lagerung dazu, ein Depot zu bilden. Wer sich nicht sicher ist, ob der Sauerstoff dem Wein schaden wird, sollte eine Karaffe mit schlankerem Bauch (ihre Luftspiegelfläche ist geringer) oder aber einen speziellen Filter verwenden. Auf keinen Fall darf ein handelsüblicher Kaffeefilter zum Einsatz kommen, er gibt einen Beigeschmack an den Wein ab.

Wenn man Rotwein dekantieren möchte, dann sollte man die Flasche einige Tage vorher aufrecht stellen, damit sich das Depot am Boden ansammelt. Statt einer Kerze kann man auch eine Taschenlampe, ein weißes Blatt Papier oder einfach eine Serviette unter den Flaschenhals legen. Sobald sich der dunkle Satz dem Hals nähert, sollte man das Abgießen beenden.

-aldus



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Kommentare  

 
0 #1 2013-02-05 10:49
Drum prüfe, wer den Rotwein dekantieret... oder so ähnlich. Auf jeden Fall ein wertvoller Artikel mit guten Tips, damit das dekantieren bewirkt was es soll, nämlich dem Rotwein helfen, seine Aromen zu entfalten und nicht zu vernichten!
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