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aldus- Ein Kombi? Ein Sportwagen? Dieses Gefährt lässt viele ratlos. Dabei ist der Volvo Schneewittchensarg schlicht vor allem eins: ein Auto mit Charakter.

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n einer Zeit, die sich an automobile Gleichförmigkeit lange gewöhnt hat, wirkt ein solcher Wagen wie ein Wunder: der Volvo Schneewittchensarg, oder, wie seine eher unbekannte offizielle Typenbezeichnung lautet, P1800 ES. Die Front eines Sportwagens verbunden mit dem Heck eines Kombis — und dann auch noch lediglich zwei Türen … Das eigentlich Unerhörte ist jedoch die komplett aus Glas gefertigte Heckklappe, die gemeinsam mit den großzügigen Seitenscheiben einen Motorsport-Redakteur auf den einzig passenden Namen für dieses Auto brachte: Schneewittchensarg.

volvo-schneewittchensarg Eigentlich war Volvos Schneewittchensarg lediglich als Aufhübschung eines schon länger laufenden Modells gedacht, als „facelift“, oder, wie es offiziell heißt, „life cycle impulse“: Seit 1961 wurde der Volvo P1800 als zwar erfolgreicher, in seiner Formensprache aber eher konventioneller Sportwagen gebaut. Besondere Bekanntheit erlangte er vor allem durch die Tatsache, dass Roger Moore ihn als „The Saint“ in der gleichnamigen Detektivserie fuhr — Jaguar hatte seinen E-Type nicht kostenlos zur Verfügung stellen wollen und die Schweden sprangen bereitwillig ein. Doch zum Ende der 60er Jahre war dieser Ruhm etwas verblasst, so dass Volvo-Direktor Gunnar Engellau mit einem gewagten Eingriff ins Design dem P1800 zu neuem Leben verhelfen wollte — was vollauf gelang. Der von Jan Wilsgaard entworfene P1800 ES wurde als Schneewittchensarg bekannter als das Ausgangsmodell: Nicht jeder mochte ihn, aber jeder schaute hin.

Vom Typus her ist der Volvo P1800 ES ein sogenannter „shooting brake“ — so lautet der Fachbegriff für einen sportlich ausgerichteten Zweitürer mit Steilheck. Der Begriff stammt noch aus der Zeit der Pferdekutschen und bezeichnet ein Gefährt, das zwar leicht und schnell ist, aber trotzdem genug Ladekapazität bereitstellt, um etwa Jagdausrüstung (daher „shooting“) mitzuführen. Der erste neuzeitliche Vertreter dieses Fahrzeugtyps war eine Variante des Aston Martin DB5, die 1965 auf der Mondial de l’Automobile vorgestellt wurde.

Nachdem er die Ursprungsvariante noch um ein Jahr überlebt hatte, lief der Schneewittchensarg 1973 aus, das prägnante Designelement des Kombihecks mit gläserner Klappe wurde jedoch seitdem immer wieder aufgegriffen, nicht nur von Volvo selbst. So ist der Schneewittchensarg wohl der einzige Fall, in dem ein halbes Auto genügte, um Designgeschichte zu schreiben.

-aldus




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