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Eine Reise vor Anker. Van Goghs ‚Fischerboote am Strand von Saintes-Maries‘ sind auch am Ufer in ihrem Element.

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as Vincent van Gogh anfasste, erweckte er zum Leben. Kein Gegenstand, und sei er von noch so offensichtlichem Gebrauchscharakter, den seine Kunst nicht mit der Energie und Liebe erfüllt hätte, die man geradezu das übergeordnete Prinzip seiner Malerei nennen kann. So sind auch van Goghs ‚Fischerboote am Strand von Saintes-Maries‘ alles andere als die beschauliche Strandszene, zu der dieses Motiv anderen Künstlern geraten wäre.

vincent-van-gogh-fischerboote-am-strand-von-saintes-maries Im Mai 1888 machte van Gogh einen mehrtägigen Ausflug von Arles zum Städtchen Saintes-Maries an der französischen Mittelmeerküste, unter anderem entstanden dort Skizzen für das auch ‚Boote am Ufer‘ genannte Gemälde. Es zeigt die für die Region typischen farbenfroh gestrichenen Fischerboote, vier liegen am Strand, vier sind weiter entfernt im Wasser zu erkennen. Auf den ersten Blick überträgt sich die überbordende Lebensfreude auf den Betrachter, mit der van Gogh sein Motiv überformt hat. Nicht nur in der leuchtenden Bemalung der Bootsrümpfe und Masten, auch in den Farben des Himmels und im Schwung der Linien spricht alles in diesem Gemälde vom unverbrauchten Glück eines sonnigen Tags an der See.

Van Goghs ‚Fischerboote am Strand von Saintes-Maries‘ machen trotz des Sands unter ihrem Kiel keinen nutzlosen oder abgelegten Eindruck, sie scheinen vielmehr erfüllt von einer unbändigen Lust aufs Meer: Der kraftvolle Schwung ihrer Form nimmt das Wogen der See vorweg, die dünnen Enden ihrer Masten strecken sie wie sehnsüchtig in Richtung der Fluten. Die Malweise des Himmels über den Booten greift diese Bewegung auf — beinahe scheint es so, als könnten die Fischerboote jeden Augenblick aus eigener Kraft in die Wellen zurückspringen. Vielversprechend erstreckt sich das Meer hin zu einem schnurgeraden Horizont; bemerkenswert ist, mit welch hoher Effizienz van Gogh das technisch herausfordernde Motiv der Brandung im rechten Bildteil mit wenigen Linien unmittelbar überzeugend auf die Leinwand bannte.

Van Goghs ‚Fischerboote am Strand von Saintes-Maries‘ sind mehr als die Studie eines Landstrichs und der Arbeitsgeräte seiner Bewohner — in seiner Aufbruchsstimmung macht das Gemälde auch tausende Kilometer von jeder Küste entfernten Landratten neue Hoffnung: Das Meer beginnt nicht im Wasser, sondern in der Sehnsucht nach ihm.

Aldus



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