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Die Währung der Schönheit. Claude Monets ‚Mohnblumenfeld bei Argenteuil‘ zeigt uns, wie reich wir sind.

A

ußer in seinen späten Seerosenbildern hat sich Claude Monet kaum je so stark auf die Wirkung seiner Farben verlassen wie in seinem ‚Mohnblumenfeld bei Argenteuil‘. Das Bild ist weit davon entfernt, abstrakt zu sein, doch das Gegenständliche steht hier ganz offensichtlich nicht im Vordergrund. Dominiert wird es von den drei Primärfarben Rot, Grün und Blau: Kaum detailliert erstreckt sich das Grün einer weiten Wiesenfläche über die untere Bildhälfte, der Abhang links wird von kräftigen roten Farbtupfern bedeckt, in denen der Betrachter Mohnblumen erkennt — auch wenn der Künstler in keinem Fall versucht hat, die Kleckse irgendwie mit dem Grün des Rasens in Verbindung zu bringen und so den Eindruck tatsächlicher Pflanzen zu erwecken. Zwischen den üppigen Wolken des Himmels strahlt ein intensives Blau, das stellenweise ins Türkise übergeht.

claude-monet-mohnblumenfeld-bei-argenteuil Die ungezügelte Lust an der Farbe, die in Monets ‚Mohnblumenfeld bei Argenteuil‘ zum Ausdruck kommt, schlägt den Betrachter unmittelbar in ihren Bann — insbesondere die Mutwilligkeit, mit der das leuchtende Rot der Mohnblumen auf die Leinwand gekleckst wurde. Die dargestellten Menschen jedoch scheinen nicht in jedem Fall die Begeisterung des Betrachters zu teilen: Nur die Kinder machen einen interessierten Eindruck, die Damen dagegen nehmen die Landschaft kaum wahr, vor allem die Arm- und Kopfhaltung der Frau am rechten unteren Bildrand ist deutlich genug: Sie geht stracks in der Linie des Korridors weiter, den sie durch das Mohnblumenfeld geschlagen hat, beinahe scheint es, als schütze sie sich dabei ganz bewusst mit ihrem Sonnenschirm gegen das übermütige Toben aus Rot in ihrem Rücken. Die Frau oberhalb des Abhangs konzentriert sich offensichtlich darauf, die vor ihr geschlagene Schneise nicht zu verfehlen. Die Kinder teilen zwar das Desinteresse ihrer Begleiterinnen nicht, wirken allerdings, bis zu den Schultern im Gras steckend, von der Natur doch etwas überfordert.

Die eine Hälfte hilflos, die andere ignorant — einem Künstler würde ein solches Publikum das Leben zur Hölle machen, die Natur jedoch muss die Geisteshaltung der sie Wahrnehmenden unberührt lassen. Die besondere Lichtstimmung des Himmels, die kurzlebige Mohnblüte, das saftige Grün des Grases im Frühsommer: die Großzügigkeit der Natur in Monets ‚Mohnblumenfeld bei Argenteuil‘ kann nicht anders, als den Betrachter staunend zurücklassen.

Mohnblumen sind selbstverständlich, Gras, Himmel und Bäume sind selbstverständlich. Und sind es nicht. Rot, Grün und Blau — was gäbe es Selbstverständlicheres. Doch welch ein Geschenk all das ist, ahnt man erst, wenn man ein Bild wie Monets ‚Mohnblumenfeld bei Argenteuil‘ betrachtet.

-aldus



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