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Pillen, Salben, Ärzte? Lucas Cranachs ‚Jungbrunnen‘ zeigt, was wirklich gegen das Alter hilft.

E

benso alt wie das Älterwerden ist der Kampf des Menschen gegen seine Folgen. Cleopatra suchte ihre Jugend in Bädern aus Eselsmilch zu erhalten, schon im alten Rom wurden Haarfärbemittel und Anti-Falten-Cremes verkauft, und Elisabeth Báthory, die „blutige Herrin von Čachtice“, soll im 16. Jahrhundert als Verjüngungskur in Jungfrauenblut gebadet haben. Heute lebt bekanntlich eine ganze Industrie unter dem Namen Anti-Aging von der Sehnsucht des Menschen nach Schönheit, Kraft und langem Leben. Lucas Cranachs ‚Jungbrunnen‘ ist die wohl bekannteste bildliche Umsetzung dieses Wunsches. Und Cranach hält sich nicht mit dem Verabreichen von Mittelchen oder komplizierten ärztlichen Behandlungen auf — er malt einfach ein Wasserbecken, das Jugend verleiht.

lucas-cranach-jungbrunnen Das Geschehen entfaltet sich in Cranachs ‚Jungbrunnen‘ in abendländischer Leserichtung: Von links werden alte Frauen an den Jungbrunnen herantransportiert, auf drastische Weise demonstriert Cranach ihre Hinfälligkeit: Sie werden in Schubkarren, auf Wägen und Liegen herangeschafft oder mit knapper Not vom ebenfalls nicht gerade jungen Ehemann auf dem Rücken getragen. Einige scheinen zu zögern und müssen von Verwandten oder Ärzten zum Betreten des Brunnens überredet werden. Im Becken angelangt verjüngen sich die Frauen zusehends, bis sie in der rechten Hälfte in voller Jugendblüte erstrahlen. Auf dem Brunnenstock in der Mitte des Wasserbeckens stellen die Liebesgötter Venus und Amor das ganze Treiben unübersehbar in das Zeichen des sinnlichen Genusses. Folgerichtig werden die Damen am rechten Rand des Beckens sogleich von modisch gewandeten Galanen in Empfang genommen, in einem Zelt angekleidet — um sich sodann an der Tafel, beim Tanz oder auch einfach im Gebüsch ihrer neu gewonnen Jugend zu erfreuen.

lucas-cranach-jungbrunnen-2 Dem Maßstab des staunenswürdigen Geschehens gemäß ist in Cranachs ‚Jungbrunnen‘ auch die umgebende Landschaft in den Verjüngungs- und Belebungsprozess einbezogen: Bestimmen auf der linken Seite schroffe Felsen und eine karge Nadelvegetation das Bild, so blühen in der rechten Hälfte Obstbäume, umgeben von saftigen Wiesen, in der Ferne sind fruchtbare Felder zu erkennen. Augenzwinkernd geht Cranachs ‚Jungbrunnen’ über jegliche Rezepte und Verfahrensweisen zur angeblichen Verjüngung hinweg und zeigt, was allein dem Menschen in seiner Sehnsucht nach ewiger Jugend helfen kann: ein Wunder.

-aldus



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