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Wie man seine eigene Verherrlichung überlebt. Hyacinthe Rigauds Portrait Ludwigs XIV. verleitet zu falschen Schlüssen.

D

ieses Bild ist zum Inbegriff des Absolutismus geworden, wie kein zweites geschichtliches Dokument veranschaulicht es das Selbstverständnis seines wichtigsten Repräsentanten, des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. (1638—1715), dem die berühmten Worte „Der Staat, das bin ich“ („L’État, c’est moi“) in den Mund gelegt wurden. Hyacinthe Rigauds Portrait Ludwigs XIV. zeigt den alternden Monarchen überlebensgroß im Krönungsornat mit riesenhafter Allongeperücke vor einem Gewitter aus Seide und Brokat inmitten von Bergen aus Hermelin. Als seltsamer Kontrast zur Wucht seines Auftritts sind die grazilen Beine Ludwigs XIV. in weißen Strümpfen mit zierlichen Bändern besonders betont — angeblich war der Herrscher auf ihren schlanken Bau sehr stolz. An seiner Seite trägt Ludwig XIV. das goldene, mit Juwelen besetzte Schwert der französischen Könige, der Marschallstab in seiner Hand weist ihn als obersten Kriegsherrn des Reichs aus; die Krone liegt auf einem Kissen in halbschattigem Hintergrund. Schon das Format des Bildes — knapp zwei mal drei Meter — ist auf Einschüchterung des Betrachters angelegt, ebenso der Blick auf den König in Untersicht. Der ohnehin nicht kleinwüchsige Monarch verschaffte sich mit hohen Absätzen ein noch imposanteres Auftreten, die Hilfsmittel sind in Rigauds Portrait nicht diskret eingesetzt, sondern werden im Gegenteil durch die rote Farbgebung stolz herausgestellt.

hyacinthe-rigaud-portrait-ludwig-xiv Hyacinthe Rigauds Portrait Ludwigs XIV. folgt in der Gestaltung der Umgebung einer jahrhundertealten Inszenierungsstrategie: Wie schon in byzantinischen Herrscherbildnissen weist der dramatisch zur Seite geschlagene Vorhang den Dargestellten als gottgesandte Erscheinung aus; die massive Säule — eine recht naheliegende Interpretation — beansprucht für Ludwig die Rolle als tragende Stütze des Reiches. Die mit goldgewirktem Stoff bedeckten Stufen, die zum Thron führen, implizieren gemeinsam mit der Fußhaltung Ludwigs XIV. die Herablassung, die seine Hinwendung zum Betrachter und zum Volk bedeutet.

Der Erfolg von Rigauds Portrait Ludwigs XIV. war auf Anhieb immens. Ursprünglich war das Werk als Geschenk für den König von Spanien in Auftrag gegeben worden, es hat Frankreich jedoch nie verlassen, der Portraitierte selbst bestellte sogar noch eine weitere Kopie von Rigaud. Das Gemälde wurde in Versailles im Apollosaal präsentiert, in Abwesenheit des Königs nahm es dessen Platz ein: Man positionierte es an der Stelle des Throns und erwartete von allen Anwesenden, sich ihm gegenüber so zu verhalten, als sei es der König selbst (also etwa ihm nie den Rücken zuzukehren).

Wir Heutigen können auf den ersten Blick kaum anders, als in einem derart prätentiös Dargestellten einen kleinen, von Minderwertigkeitskomplexen geplagten Dummkopf zu vermuten. Doch ganz im Gegenteil soll Ludwig XIV. seine Arbeit nach dem übereinstimmenden Dafürhalten der Historiker sehr gut gemacht haben, gerühmt werden Scharfsinn, Weitsicht, Entscheidungskraft aber auch Charme und Höflichkeit des Herrschers. Und spätestens hier wird es Zeit, dem Herrscher seinen Respekt zu zollen: Dafür, dass sein Ruhm ein solches Portrait überlebt hat.

Aldus



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