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Was ein Sommer leisten kann. Georges Seurats ‚Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte‘ nimmt den Betrachter in Lichttherapie.

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in beliebter Zeitvertreib unter Schülern und Kunststudenten ist das Nachstellen berühmter Kunstwerke: Freunde oder Passanten werden mit den richtigen Gegenständen ausgestattet und in der Landschaft verteilt, kurz Stillhalten — fertig. Nur selten allerdings wirkt ein Gemälde selbst, als ob es auf diese Weise zustande gekommen wäre. Georges Seurats ‚Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte‘ ist ein solcher Fall, wobei auch in anderen seiner Gemälde den dargestellten Menschen oft etwas Steifes anhaftet. Hier jedoch gibt die Unbeweglichkeit der Figuren dem Bild geradezu den Anschein eines Puppenhauses: Kaum einer der Menschen ist anders als frontal, von hinten oder von der Seite dargestellt, jede Bewegung ist wie eingefroren, selbst der Mops im Vordergrund scheint mitten im Sprung erstarrt.

georges-seurat-ein-sonntagnachmittag-auf-der-insel-la-grande-jatte Seurats ‚Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte‘ ist im Stil des Pointillismus gemalt, es besteht ausschließlich aus einzelnen Farbtupfern reiner Farben; die eigentliche Wirkung des Bildes ergibt sich erst aus einiger Entfernung. Die Anwendung der Technik bei einem Bild dieses Formats — gut zwei mal drei Meter misst Seurats ‚Sonntagnachmittag‘ — bedeutete einen immensen Aufwand, zwei Jahre hat Seurat an dem Gemälde gearbeitet. Einer der Vorteile der pointillistischen Technik ist jedoch die größere Leuchtkraft der ungemischten Farben, die sich beim Vermengen auf der Palette notwendig abschwächt. In der Tat gelingt es Seurats ‚Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte‘ unmittelbar, dem Betrachter den Eindruck eines Aufenthalts an dem beliebten Ausflugsort im Westen von Paris zu vermitteln. Das Leuchten der Farben evoziert ebenso wie die scharfe Schattenlinie auf dem Rasen eine intensive Sommersonne, trotzdem hat die Natur etwas Schwebendes, Duftiges; anders als die dargestellten Menschen eignen dem Rasen, dem Fluss und vor allem den Baumkronen eine weiche Leichtigkeit.

Wie kaum ein zweites Gemälde kann Seurats ‚Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte‘ so dem Betrachter vermitteln, was die Menschen an einem Sommertag aus ihren Häusern lockt: Licht und Wärme. Unterstützt durch die pointillistische Technik, die alles Dargestellte durch ein übergreifendes Flirren der Farbpunkte miteinander verbindet, glaubt man, geradewegs dabei zusehen zu können, wie sich die Menschen den Winter aus den Knochen lüften. Nicht mehr lang, so scheint es, und sie werden alle Steifheit abgelegt und tatsächlich ein Teil dieses Sommers geworden sein.

-aldus



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