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Auch ein Landschaftsgemälde. Caspar David Friedrichs ‚Zwei Männer in Betrachtung des Mondes‘ geht Politik vom Menschlichen her an.

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en Reiz der Landschaftsmalerei Caspar David Friedrichs macht aus, dass es ihr nie allein um die reine Naturdarstellung geht, andererseits aber die Werke auch keine bloßen Programmbilder sind, die einen Seelenzustand, eine philosophische Idee oder eine gesellschaftliche Grundstimmung lediglich bebildern sollen. Statt dessen setzen sie eine spannungsreiche Wechselbeziehung zwischen gemalter Landschaft und über das Dargestellte Hinausweisendem in Szene. Ein besonders beredtes Beispiel ist Friedrichs ‚Zwei Männer in Betrachtung des Mondes‘.

friedrich-zwei-maenner-in-betrachtung-des-mondes Das Gemälde zeigt zwei Männer in damals „altdeutsch“ genannter Tracht an einem felsigen Hang neben einer knorrigen Eiche, am Himmel stehen Mond und Abendstern, das Bild ist ganz und gar in den warmen Braunton der Dämmerung getaucht. Der erste Eindruck auf den Betrachter ist der von Trauer und Vergeblichkeit: Müde lehnt sich einer der Männer auf den anderen, das Wurzelwerk der Eiche ragt hilflos in die Luft, ihre Äste sind kahl, nur ein massiver Felsbrocken rechts von ihr hält sie vom Umstürzen ab, während im Vordergrund ein junger, starker Baum scheinbar willkürlich gekappt wurde; tot wirkt auch das Geäst im rechten Vordergrund des Bildes. Und doch tritt diesem ersten Eindruck sofort ein gegenteiliger an die Seite, nämlich der von Wärme, wie sie insbesondere im Braunton des Gemäldes und in der freundschaftlichen Geste zwischen den Männern zum Ausdruck kommt. Auch diesem im wahrsten Sinne des Wortes düsteren Gemälde Caspar David Friedrichs ist also mit der simplen Einordnung in die Kategorie „Sinnen über die Vergänglichkeit allen Seins“ nicht beizukommen.

Wie Variationen eines Themas findet sich das subtile Gleichgewicht der Grundstimmung von Friedrichs ‚Zwei Männer in Betrachtung des Mondes‘ auch in Details des Bildes: im Gleichgewicht zwischen Eiche und Fels, zwischen den beiden Männern, zwischen dem Mond und dem viel schwächeren Abendstern in seinem Bannkreis. Und, auch davon spricht das Gemälde, im Gleichgewicht zwischen dem Tod und den zwischenmenschlichen Gefühlen, die er nicht ungeschehen macht.

Anders als durch das unmittelbar Dargestellte, in dem mehr als eine Interpretation Anspielungen auf die politische Situation der Zeit sehen wollte, wirkt Friedrichs ‚Zwei Männer in Betrachtung des Mondes‘ auf andere Weise wie eine Verkörperung seiner Entstehungszeit: Nicht in herbeigedeutelten Einzelheiten wie einer „fallenden deutschen Eiche“ oder der „jäh abgeschnittenen Revolution“ (der Stumpf im Vordergrund), sondern in seiner sich unmittelbar auf den Betrachter übertragenden Grundstimmung eines delikaten Gleichgewichts, einer fragilen Behaglichkeit zeigt sich in Friedrichs ‚Zwei Männer in Betrachtung des Mondes‘ der eigentliche Charakter der Biedermeierzeit mit seinen hinter Polstermöbeln und häuslicher Gemütlichkeit verräumten Revolutionsphantasien. Caspar David Friedrich hat hier kein politisches Pamphlet verfasst, sondern sensibel beobachtet: die gesellschaftliche Stimmung seiner Zeit, was im Angesicht des Todes wirklich bedeutsam wird, aber auch — das wird oft übersehen — einfach zwei Männer in Betrachtung des Mondes.

-aldus



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