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Vor der Entfremdung der Farben. Franz Marcs ‚Fuchs‘ zeigt uns den stillsten Ort.

W

er kann von sich behaupten, schon einmal einen Fuchs in freier Wildbahn gesehen zu haben? Und gar einen ruhenden? Schlicht undenkbar. Der Fuchs ist eines der klügsten, scheusten Tiere, die der Mensch noch nicht aus seiner Umgebung vertrieben hat, und so erweckt der Anblick von Franz Marcs ‚Fuchs‘ (auch ‚Blauer Fuchs‘ oder ‚Blauschwarzer Fuchs‘) beim Betrachter unmittelbar den Eindruck, einen geweihten, geheimen, jedenfalls ihm sonst verborgenen Ort zu sehen.

franz-marc-fuchs Wie hat Franz Marc diesen Ort gestaltet? Sein ‚Fuchs‘ ist jedenfalls kein Bild, das sich ein Jäger zum Schmuck seiner Trophäenstube aufhängen würde, hier gibt es keine rauschendgrüne Waidmannsidylle. Nur ein Baumstamm und einige Blätter sind angedeutet, ansonsten ruht Marcs ‚Fuchs‘ an einem abstrakten Ort. Ihn umgeben Felder leuchtender Farben — ihre Umrisse mögen in der Natur vorkommen, die Farben in solcher Reinheit jedoch kaum. Wie kommt Marc dazu, einen Ort im Herzen der Natur mit derart „unnatürlichen“ Farben auszukleiden? Zunächst einmal waren für Franz Marc Farben nicht einfach unterschiedliche Arten von Buntheit. In einer mühsam erarbeiteten Farbenlehre verkörperten sie für ihn unterschiedliche Prinzipien: Blau das männliche, Gelb das weibliche, Rot die Materie, die mit den beiden im Zwist liegt. Anders als in den ‚Kämpfenden Formen‘ ruhen in Marcs ‚Fuchs‘ diese Farbprinzipien wie auch in anderen seiner zahlreichen Tierbilder jedoch friedvoll nebeneinander — als brächte erst der Mensch ihre Feindschaft zum Ausbruch.

Aber auch ohne seine eigenen Theorien für eine Interpretation heranzuziehen, wirkt Marcs ‚Fuchs‘ unmittelbar überzeugend in seiner gleißenden Farbigkeit — vermittelt sie doch einen Eindruck von Reinheit, wie man ihn an einem solchen Ort vermuten würde, in dem fern allen menschlichen Einflusses die Welt in einer Art Ursprungszustand existiert. Das Herz der Dinge, der stillste Ort von allen muss wohl tatsächlich der farbigste sein. Bis diese Farben dann beim Menschen angelangt sind, in seinen Vororten, Städten und Siedlungen, ist nach allen Kämpfen und Kompromissen freilich kaum mehr als Grau übriggeblieben.

Aldus



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