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Die Welt vor der Farbdiktatur des Menschen. Franz Marcs ‚Blaues Pferd‘ kehrt das Innen nach außen.

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ibt es richtige und falsche Farben? Franz Marcs ‚Blaues Pferd‘ macht jedenfalls schon im Titel stutzig. Das Bild betrachtend würde dann aber wohl niemand mehr auf die Idee kommen, hier von falschen Farben zu sprechen. Seine Ausstrahlung ist die einer unmittelbaren Stimmigkeit, die sich vor allen den leuchtenden, satten Farben verdankt. Doch hat sich darin die Leistung des Bildes bereits erschöpft? „Es hat schöne Farben!“ Dieser für den Gesprächspartner meist eher unbefriedigende Satz fällt bekanntlich oft, wenn der positive Eindruck eines Bildes auf den Betrachter nicht weiter theoretisch unterfüttert werden kann oder soll. Ist Franz Marcs ‚Blaues Pferd‘ ein Bild, zu dem sich dieser Satz und nicht sehr viel mehr als dieser Satz sagen lässt?

franz-marc-blaues-pferd Der oberflächliche Wohlklang seiner farbsatten Komposition sollte nicht über das reiche Innenleben von Franz Marcs ‚Blauem Pferd‘ hinwegtäuschen. Keinesfalls wurden hier einfach des kurzlebigen Effektes oder der Gefälligkeit wegen altbekannte Objekte mit neuen, ungewöhnlichen Farben übertüncht. Im Gegenteil bemühte sich Franz Marc auch in anderen Werken nach eigener Aussage darum, „aus der Beliebigkeit der Farbe herauszukommen“. Eingehend setzte sich der Künstler mit dem Komplex Farbe auseinander, gelangte gar zur Formulierung eigener Farbgesetze. Ziel war eine Emanzipation der Farbe vom Objekt, eine Auflösung der altehernen Bindung zwischen dem Ding und seiner Erscheinung.

Wie selbstverständlich gingen frühere Maler vom darzustellenden Objekt aus, um dieses dann mit der „passenden“, der „richtigen“ Farbe auszustaffieren. Bei Marcs ‚Blauem Pferd‘ allerdings wirkt es nicht von ungefähr, als habe sich das Blau dieses Pferd als Erscheinungsform selbst gewählt, als sei das Pferd nur eine Funktion der Farbe, nicht umgekehrt. Gleiches gilt für die Landschaft im Hintergrund und die Natur zu Füßen des Pferdes. Das Ergebnis ist der Eindruck einer Beseeltheit der Natur, eines paradiesischen Urzustandes vor dem Menschen, als hätte erst dieser der Schöpfung mit den Namen auch ihre „richtigen“ und „falschen“ Farben aufgedrängt. Und ihr damit nicht immer recht getan. Franz Marcs ‚Blaues Pferd‘ aber leuchtet völlig aus sich selbst heraus, untrennbar von seiner Farbe. Wie selbstverständlich fragt sich der menschliche Verstand bei jedem Objekt, welche Farbe ihm wohl als Eigenschaft anhängt. Doch welches Objekt ist dem Wesen einer jeweiligen Farbe gemäß? Franz Marc hat als einer der ersten diese Frage gestellt und Antworten gefunden, die bis heute faszinieren.

-aldus



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