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Bereitschaft zur Farbe. Claude Monets ‚Felder im Frühling‘ und das Geheimnis einer Jahreszeit.

E

s ist eine gewaltige Herausforderung, der sich Claude Monets ‚Felder im Frühling‘ stellt: Licht und Farben des Frühlings auf die Leinwand zu bannen. Und es geht diese Herausforderung beinahe systematisch an. Monets ‚Felder im Frühling‘ sind von Horizontalen und Vertikalen streng gegliedert, wie in einem Versuchsaufbau ordnet der Künstler Objekte an, um die Auswirkungen des Lichts auf sie zu erproben: ‚Sous les Peupliers — Effet de Soleil‘, ‚Unter den Pappeln — Effekt des Sonnenlichts‘, lautete der programmatische Titel des Bildes bei seiner ersten öffentlichen Präsentation.

claude-monet-felder-im-fruehling Monets ‚Felder im Frühling‘ wird bestimmt vom flächigen Geäst der drei Pappeln, das einen großen Teil des Gemäldes ausmacht. An ihm zeigt sich besonders deutlich der Ansatz des Künstlers: Wie in einer Art Netz oder Filter fängt sich hier das ganz eigene Licht des Frühlingstages und gibt seine Eigenheiten preis — in ein tiefes Blau lässt es ganze Partien des Blattwerks getaucht wirken, ein Blau, das sich auch zu Füßen der Pappeln in ihrem Schatten findet. Noch stärker als in den drei Pappeln bringt die Baumreihe des Hintergrunds das satte Blau der Frühlingsluft zur Geltung, auch der runde Baum auf halber Strecke ist geradezu getränkt davon; die Berge in der Ferne schließlich wissen von keiner anderen Farbe mehr. Der Wiese im Vordergrund entlockt das Licht die verschiedensten, in ihrer Frische unnachahmlich frühlingshaften Grüntöne, unterbrochen immer wieder von Weiß und Bunt der Wiesenblumen, im Sonnenschirm der Dame verwandelt sich das Licht zu einem leuchtenden Türkis.

Die ganze Farbenpracht eines Frühlingstages, das zeigt Monets ‚Felder im Frühling‘, ist angelegt in der Natur seines Lichts: Der Himmel ist hier nicht einfach blau, er ist eine vibrierende Vielzahl von Farben gleichzeitig — er ist eine Bereitschaft zur Farbe, die einen beliebigen Gegenstand zum Anlass nimmt, in bunte Blüten auszubrechen. Und in dieser sprungbereiten Offenheit, dieser irisierenden Bereitschaft ist das eigentliche Wesen des Frühlings erfasst: Dass er uns nach einer Zeit langer, grauer Entbehrung mit einem Schlag eintaucht in ein schillerndes Meer aus Möglichkeit.

Aldus



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