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Angeborener und erworbener Reichtum. Caravaggios ‚Falschspieler‘ mischen die Karten neu.

I

n diesem Gemälde sind die Sympathien klar verteilt. Michelangelo Merisi da Caravaggios ‚Falschspieler‘ zeigt zwei Vertreter eines schon zur Entstehungszeit des Bildes aufs schärfste geächteten und mit empfindlichen Strafen bedrohten Standes bei der Arbeit, doch vermeidet es auf subtile Weise eine moralische Deutung im klassischen Muster.

caravaggio-falschspieler Zunächst einmal hat Caravaggio, dem selbst ein Lebenswandel am Rande der Legalität nachgesagt wird, den Betrogenen auf eine Weise dargestellt, dass kaum ein Betrachter Mitleid mit ihm empfinden wird: Offensichtlich ein blutjunger Adelsspross oder verwöhntes Bürgersöhnchen ist er in vornehme Kleidung gehüllt, feine Spitze ziert den schmalen Kragen und die anmutig gerüschten Ärmel, auch der Hut scheint eine aufwendige Konstruktion zu sein. Die Haare sind sorgsam arrangiert, vor dem Ohr laufen sie in zwei zierliche Spitzen aus, bedächtig neigt der Knabe seinen Kopf zu den Karten, einen feinen, selbstzufriedenen Ausdruck um das rote Mündchen.

Die beiden Falschspieler dagegen machen einen ganz und gar nicht umsorgten und umhegten Eindruck, im Gegenteil, man sieht ihnen die Härten ihrer Wirklichkeit schon an der fleckigen und löchrigen Kleidung an. Auch die verwegen wippenden Federbüsche und ihre kontrastreiche Kleidung zeigen, dass sie sich in einer ganz anderen Welt als der ihres Opfers zu behaupten gelernt haben. Hat der gehätschelte Jüngling die Augen versonnen niedergeschlagen, so sind die der beiden Betrüger weit aufgerissen, hellwach versuchen sie ein wenig von der Ungerechtigkeit rückgängig zu machen, die ihre Welt so scharf von der des Opfers trennte.

Man kann nicht anders, als Caravaggios ‚Falschspielern‘ viel Glück zu wünschen, wie sie in äußerster Anspannung und höchster Konzentration ihrem dummen, selbstgefälligen Opfer ein wenig von seinem unverdienten Reichtum zu entlocken suchen. Das Leben selbst scheint aus ihrer zugespitzten Anstrengung zu sprechen, in all seiner Kraft — und auch seiner Grausamkeit, woran der Dolch des vorderen Falschspielers gemahnt. Die beiden haben ganz offensichtlich nichts zu verlieren. Der eitle Auftritt des Jünglings dagegen ist nur eine andere Art zu sagen: Bestehlt mich!

-aldus



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