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aldus- Wie malt man das Nichts? Arnold Böcklins ‚Toteninsel‘ zeigt uns das Ziel unserer aller Reise — und mit einem Mal erst merken wir, dass wir unterwegs sind.

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ber Arnold Böcklins ‚Toteninsel‘ ist unendlich viel geschrieben worden, dabei wirkt das Bild auch ohne weiterführende Deutung ganz unmittelbar: Ein abgeschiedener, einsamer Ort, isoliert von der Umwelt, in die Felsen der Insel sind Grabkammern gehauen, wie letzte Lebensbemühungen finden sich Ansätze von architektonischer Gestaltung — doch auf dieser Insel gibt es kein Bleiben. Alles auf ihr wird in ihr dunkles Zentrum gezogen, auch die ragende weiße Figur auf dem sich nähernden Boot, das sich ohne sichtbaren Antrieb auf die Insel zubewegt. Die düstere Mitte des Bildes gibt sich nur schemenhaft als eine Gruppe von Zypressen, tatsächlich ist sie ein Bild des Todes, das Nichts selbst, das in den Wipfeln der Bäume über der Insel lodert und in seinem abgrundtiefen Schwarz wirkt, als sei alle Farbe von der Leinwand geschabt. Es ist das Loch in der Welt, durch das der Schicksalsfaden eines jeden läuft, der große, alles unwiderruflich an sich ziehende Endpunkt. Ein Fleck am Horizont zunächst, dann immer größer und schließlich nicht mehr zu ignorieren. Zuletzt ist dieses Schwarz alles, das uns bleibt.

Boecklin Toteninsel Böcklins ‚Toteninsel‘ nahm seinen Anfang als Auftragsarbeit für den Mäzen Günther Alexander und dessen Frau. Das Sujet fesselte Böcklin derart, dass im Zeitraum von 1880 bis 1886 nicht weniger als fünf Versionen des Motivs entstanden. So sehr bannte den Maler das eigene Werk, dass er 1888 mit der bunten ‚Lebensinsel‘ eine Art Gegenentwurf schuf, der jedoch seltsam kraftlos bleibt. Die ‚Toteninsel’ dagegen übt bis zum heutigen Tag ihre beklemmende Wirkung aus. Sie erinnert in ihrer unerbittlichen Konsequenz an das Werk eines neueren Künstlers, das schlicht darin bestand, ein großes Loch in die Wand eines Ausstellungsraums zu schlagen. Ein wirksamer Effekt, doch auf der anderen Seite sieht man einfach einen weiteren Museumsraum oder es blickt einem gar ein anderer Besucher entgegen. Durch Böcklins ‚Toteninsel‘ aber kann man nicht hindurchsehen und aus dem Schwarz seiner Zypressen blickt einem nichts entgegen. Nichts außer dem Ende von allem.

-aldus



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