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Was wirklich zählt. August Mackes ‚Helles Haus‘ ist präzise nur in einem Punkt: im wichtigsten.

K

unst lügt, um die Wahrheit zu sagen. Auf diese Formel lässt sich ein Zusammenhang bringen, der die Feinde nicht streng gegenständlicher Malerei regelmäßig auf die Palme bringt. Was ihnen entgeht, zeigen zahllose Meisterwerke der Kunstgeschichte, unter ihnen August Mackes ‚Helles Haus‘.

august-macke-helles-haus Im April 1914 war August Macke gemeinsam mit Paul Klee und Louis Moilliet zu einer zweiwöchigen Reise nach Tunesien aufgebrochen, wo neben zahlreichen anderen Arbeiten auch das Aquarell des ‚Hellen Hauses‘ entstand. Das Bild verzichtet auf den üblichen Aufbau von Vorder-, Mittel- und Hintergrund und sogar auf das schlichte Übereinander von Himmel und Erde — es löst jede räumliche Logik auf zugunsten einer Logik allein von Licht und Farbe. Das Motiv ist stark gegliedert von vertikalen Linien, denen sich beinahe alles unterordnen muss. Die Wirkung dieser extremen Bildmittel ist jedoch frappant: August Mackes ‚Helles Haus‘ steht wie in einem Wasserfall aus Licht vor dem Betrachter.

Es ist sein mildes und doch kraftvolles Leuchten, das dem ‚Hellen Haus‘ viel mehr noch als seine Position in der geometrischen Mitte des Bildes zu seiner dominierenden Stellung verhilft. Selbst das Blau des Himmels tritt über dem Haus zur Seite und drängt sich in kräftigen Blöcken am oberen rechten Bildrand. Von einigen Palmen und anderen Pflanzen abgesehen ordnet sich auch die unmittelbare Umgebung des Hauses in Quadraten und Rechtecken an — eine Verfremdung ganz offensichtlich nicht als Selbstzweck, sondern mit Blick auf die Bildwirkung: Denn auf diese Art und Weise können diese Elemente viel konzentrierter beitragen, was in diesem Bild ihre wichtigste Eigenschaft ist: ihre Farbe.

Von der Wahrheit einer Haustreppe oder eines Gartentörchens weiß August Mackes ‚Helles Haus‘ tatsächlich nicht viel zu berichten, und niemand wird darüber in Trauer ausbrechen. Doch in seiner kompromisslosen Konzentration auf Licht und Farbe gelingt Mackes ‚Hellem Haus‘ eine künstlerische Vision, die weit über das eigentlich Dargestellte hinausgeht. Man wird sie nicht auf eine präzise Aussage reduzieren können, doch sie hat etwas mit Wärme zu tun und mit Zufriedenheit. Und über eines lässt sie keinen Zweifel aufkommen: Glück ist allemal die tiefste Wahrheit.

Aldus



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