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aldus- Eine Spätfolge der 50er-Jahre-Raumfahrtbegeisterung? Alptraum eines Arachnophobikers? Oder einfach ein Designklassiker? Als Saftpresse taugt die Juicy Salif jedenfalls kaum.

E

s dürfte der umstrittenste Küchengegenstand der Geschichte sein, den der französische Designer Philippe Starck 1990 für die Firma Alessi entwarf. Die Saftpresse Juicy Salif wirkt auf den ersten Blick wie ein reiner Kunstgegenstand, eine Skulptur, oder aber wie ein Requisit eines wunderbar schlechten, alten Science-Fiction-Films („Roboterspinnen greifen an!“). Elegant nehmen die langgezogenen Beine die Stromlinienform des Kopfes auf, es liegt etwas vom Zukunftsoptimismus der 50er/60er Jahre in der Luft — und jeden Augenblick scheint dieses Objekt abheben zu können, durch das Küchenfenster entschwinden hin zu fernen Planeten.

Juicy-Salif Die Alessi Juicy Salif ist ein provokanter Bruch mit alten Gewohnheiten im Design von Küchengegenständen. Sollten „Mutters Haushalts-Helferlein“ früher einfach praktisch, handlich und in der Gestaltung unaufdringlich sein, so entwickelt die Juicy Salif nun ein ästhetisches Eigenleben. Sie ist nicht einfach Form gewordene Funktionalität, sondern ein aufsehenerregender Gegenstand, der zunächst durch seine dramatische Gestaltung anspricht und erst in einem zweiten Schritt seinen praktischen Nutzen unter Beweis stellen muss. Man mag das für Hedonismus halten, sollte dabei aber bedenken, dass Küche und Haushalt schon lange nicht mehr allein „Mutters“ Domäne sind und für viele der Genuss auch einfach schon beim Kochen beginnt. Jedenfalls hat Philippe Starck ganz richtig erkannt, dass die primäre Frage in einer vollausgestatteten Küche des 20. Jahrhunderts nicht mehr lautet: „Was brauche ich?“, sondern: „Was könnte ich noch wollen?“ In Anbetracht der stupenden Effizienz der modernen Küche ist es nicht weiter verwunderlich, dass einzelne Haushaltsgegenstände auf andere Gedanken kommen, andere Absichten entwickeln als allein die, der armen, überforderten Küchenkraft möglichst effektiv unter die Arme zu greifen.

Als Saftpresse ist das Scheitern der Juicy Salif allerdings umfassend: Bei niedrigen Gläsern landet nur ein Teil des Saftes da, wo er hin soll, Kerne werden generell nicht ausgesiebt, bei weicheren Arbeitsplatten bohren sich die Füße in die Unterlage, bei harten rutschen sie. Aber deshalb Gummistöpsel auf die Füße? Das käme manchem vor wie Michelangelos David in Socken. Muss man sich also entscheiden zwischen Alltag und Träumerei? Die Juicy Salif führt vor Augen, welch eine Zumutung diese Fragestellung ist.

-aldus




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