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aldus- Nie war Kommunikation so unkompliziert und allgegenwärtig wie heute. Das Siemens W48 führt uns zurück in eine seltsam fremde Zeit, als man mit einem Anruf wartete, bis es tatsächlich etwas zu sagen gab.

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ir Heutigen sind eifrig dabei, die Ferne auszumerzen. Man ist überall erreichbar, unvorstellbare Mengen an Information gelangen über das Internet und drahtlose Netzwerke an jeden beliebigen Ort, selbst ehemals exotische Urlaubsländer sind per Billigflieger nur einige wenige Euro und Stunden entfernt.

Siemens-W48 Wenn also das nächste Mal das Hosenbein vibriert, denke man zurück an die Zeit, als Orte und Menschen noch von echten Entfernungen getrennt einen festen, angestammten Platz hatten. Und mit einer Sicherheit an ihrem Ort ruhten, von der noch heute ein W48 mit seiner stählernen Bodenplatte und dem Gehäuse aus massivem Bakelit Auskunft gibt. Zurückgehend auf einen Entwurf der Firma Siemens & Halske aus dem Jahr 1936 setzte die deutsche Post das Modell seit 1948 lange Jahre als Standardtelefon ein, bevor 1963 der Nachfolger FeTAp 611 antrat und in den 70er Jahre mit grausamsten Farbtönen dem „Jahrzehnt des schlechten Geschmacks“ half, seinen Namen zu erwerben.

Das W48 dagegen gab es nur in würdevollem Schwarz oder, gegen Aufpreis und dadurch prestigeträchtig, in mondänem „Elfenbein“. Diese Edelvariante war bevorzugt in Haushalten des gehobenen Bürgertums sowie in Arztpraxen anzutreffen. Unabhängig von der Farbe versahen zwei kraftvolle Glockenschalen jeden Anruf mit Bedeutung und Nachdruck, unbeweglich auf seinem Telefontischchen thronend ersparte das W48 die Suche nach dem heute unvermeidlichen Mobilteil und sorgte dafür, dass dem Anrufer die ungeteilte Aufmerksamkeit des Gesprächspartners sicher war. Meist war zu den Zeiten des W48 dem Telefontisch nicht etwa eine bequeme Couchgarnitur, sondern nur ein karger Stuhl beigesellt, der strikt zu Gesprächsdisziplin erzog (sofern das im zugigen Flur überhaupt nötig war). Sollte ein Telefonat sich trotzdem einmal unnötig in die Länge ziehen, erinnerte der wuchtige Hörer des W48 und ein erlahmender Arm an die Kürze unseres Erdendaseins.

Heutige Telefone sind bunt, praktisch und haben deutlich an Gewicht verloren. Doch man wird das Gefühl nicht los, das gilt auch für das durch sie Gesagte.

-aldus




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Kommentare  

 
0 #1 2011-02-23 13:05
Hallo,
es gibt übrigens ein schönes Hörbuch zum Thema "Telefonieren" mit diesem wunderbaren Telefon als Coverbild:
www.o-ton-produktion.de/detail-telefon.html
Bei Fragen können sie uns gerne kontaktieren.
Mit freundlichen Grüßen
François Smesny
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