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aldus- Schon seit einem guten Jahrzehnt ist die Schreibmaschine eine sympathische Nostalgie. Als sie noch nicht Technikgeschichte war, erfüllte ein Name vor allen anderen ihren Besitzer mit Stolz: Underwood.

A

lles begann mit einer Absage. Die Firma Underwood stellte Ende des 19. Jahrhunderts Tinten und Farbbänder her. Als John T. Underwood, Sohn des Gründers, eines Tages beim Schreibmaschinenhersteller Remington einen neuen Auftrag einholen wollte, beschied man ihn dort, dass Remington in Zukunft seine eigenen Farbbänder herzustellen gedenke. „Nun gut“, soll John T. Underwood entgegnet haben, „dann muss Underwood eben seine eigenen Schreibmaschinen herstellen.“ Gesagt, getan. 1885 wurde in New York die Underwood Typewriter Company gegründet.

underwood-schreibmaschine Zwar hatte es seit Anfang des 18. Jahrhunderts Prototypen von Schreibmaschinen gegeben, als wirklich praktikabel durchgesetzt hatte sich zu Underwoods Zeit allerdings noch keiner. Den Durchbruch brachte eine Erfindung des Deutsch-Amerikaners Franz-Xaver Wagner: das nach ihm benannte Wagnergetriebe. Vor Erfindung dieses Getriebes, das die Typenhebel im Winkel auf das Blatt schwingt, wurden die Typen von unten oder vertikal angeschlagen, so dass der Benutzer nicht sah, was er gerade schrieb. Mit Wagners Mechanik dagegen blieb das Geschriebene stets im Blick und konnten Korrekturen sofort vorgenommen werden. John T. Underwood erwarb das Patent 1896 von Franz-Xaver Wagner, entwickelte es weiter und setzte es in der ersten Underwood-Schreibmaschine um, die 1898 auf den Markt kam. Sie gilt bis heute als erste moderne Schreibmaschine, da sie neben dem Schwinghebelgetriebe noch einige weitere technische Eigenschaften besaß, die in den kommenden Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit werden sollten — etwa eine Umschalttaste für Groß- und Kleinbuchstaben anstelle einer doppelten Tastatur.

Seit 1901 wurde die Underwood No. 5 produziert — hochpraktikabel, zuverlässig und eine echte Schönheit, wenn eine Schreibmaschine nur in irgendeiner Weise eine Schönheit sein kann. Sie wurde rasch zu einem Standard, der den Markt auf Jahrzehnte dominierte: Zwanzig Jahre später stammte jede zweite Schreibmaschine in den USA aus dem Hause Underwood, 1939 hatte das Unternehmen nicht weniger als fünf Millionen Maschinen produziert. Der Name Underwood wurde zu einem Synonym für Schreibmaschine. Von Jack Warner stammt der Ausspruch: „Schauspieler? Deppen. Drehbuchschreiber? Deppen mit Underwoods.“ Bis heute sind Erben und Dachboden-Entdecker immer wieder enttäuscht, wenn sie erfahren, was eine fast hundertjährige Underwood No. 5 denn wert ist (bei Google ist underwood schreibmaschine wert eine beliebte Anfrage). Denn trotz imposantem Aussehen und einem knappen Jahrhundert auf dem Buckel bringen nur exzellent erhaltene Maschinen mehr als 30—40 Euro.

Es ist ein wohlmeinender Zug der Technikgeschichte, dass dem Unternehmen Underwood der rasche und unaufhaltsame Untergang der Schreibmaschine als alltäglichem Gebrauchsgegenstand erspart blieb. Anfang der 60er Jahre — als noch niemand etwas von PCs, Laptops und Wegwerf-Laserdruckern ahnen konnte — wurde Underwood an Olivetti verkauft. Im Rückblick eine brillante unternehmerische Entscheidung. 2003 wurde die Schreibmaschine aus dem Verbraucherpreisindex gestrichen.

-aldus



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Kommentare  

 
0 #1 2011-10-11 17:47
warum nutzlos?
http://www.youtube.com/watch?v=uTzTGf_U6po
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