Sapere Cola

aldus- „Faschistenbrause“ oder die letzte Bastion politischer Unkorrektheit? Versuchte Ehrenrettung eines verrufenen Getränks.

„G

eschmacklos“, „stillos“, „unvernünftig“: Das sind noch die harmloseren Vorwürfe, denen sich ausgesetzt sieht, wer das für einen halbwegs gebildeten Menschen hierzulande fast Unsagbare wagt: ein Glas Cola bestellt. Ein globaler Großkonzern! Und der ganze Zucker! Fassungsloses Kopfschütteln allerorten. Hatte sich Kant zum Thema nicht geäußert? „Sapere aude“ – „Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Aber doch bitte nicht, wenn wir dabei sind, und Dir sagen können, was richtig ist!
Ebenso tun Baileys-Trinker gut daran, ihre Passion heimlich zu betreiben. Großmutters Himbeerlikör dagegen, mit achtzigprozentigem Zuckeranteil, doch nach dem Rezept aus dem Dreißigjährigen Krieg – ganz famos. Natürlich, nachhaltig, konzernfrei. Spätestens nach dem zweiten Glas wird die Bauchspeicheldrüse trotzdem knarrende Laute von sich geben.
Manche Leute bringen sich doch mit Cola geradezu um! Richtig, aber diese Leute würden sich auch mit 63er Würzburger Stein Trockenbeerenauslese umbringen, wenn sie das Geld dazu hätten. Aber sollte man Cola vielleicht verbieten, oder die Menschen umerziehen? Nein, alle Erziehung sollte nur den Gebrauch des eigenen Verstandes ermöglichen. Sonst hat man das Problem, dass man Menschen die Süßgetränke rationiert, die ansonsten per Demokratie nichts geringeres als die Herrscher dieses Landes sind. Ein Glas Cola. Das muss die Demokratie aushalten können.

-aldus



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