Meinung01

aldus- Je mehr Geld man besitzt, desto schwerer wird es, schlechten Geschmack zu verbergen. Doch kein Geld macht auch nicht glücklich.

Mindestens so alt wie die Menschheit ist die Klage über die ungerechte Verteilung von Geld und gutem Geschmack. Also die Tatsache, dass die eine Hälfte Geld besitzt und die andere Hälfte nicht sehr viel mehr als das Wissen, wie es am besten auszugeben wäre. Auf der einen Seite also „toskanische“ Villen mit vergoldeten Putti und tiefergelegten SUVs vor der Garage, auf der anderen verbitterte Ästheten und Schöngeister, die aus der Welt ein Paradiesgärtlein voll Anmut und Eleganz machen würden, hätten sie nur das nötige Kleingeld dazu.

Doch die Sache ist natürlich nicht ganz so einfach. Denn Geld ist nicht dazu da, die Welt schöner zu machen, sondern: denen zu gehören, die es verdient haben. Und die sind nur in den selteneren Fällen mit genügend Raffiniertheit und Zartsinn ausgestattet, um etwa einen Kupferstich von einer Radierung zu unterscheiden. Wenn also jemand einen schlechten Geschmack hat, dann doch zuallerst das Geld selbst, das mit Kraft und Zielstrebigkeit eher zu erwerben ist als mit dem Verbreiten von Rilke-Zitaten.

Und es ist ja längst eine Binsenweisheit: Die wirklich elitären Dinge sind nicht teuer. Zwölf Schuhnägel zum Beispiel, in Kronenform in den Absatz genagelt (das Erkennungszeichen der bayerischen Königstreuen), oder eine Bourbonenlilie am Revers. Doch dann dämmert es einem: Ludwig der XIV. — heute führe er SUV.

-aldus

Thomas Werder


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