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aldus- Ein Boot, so fern wie der 60er-Jahre-Jet-set mit seiner blasierten Lebensart. Doch immer noch lässt sich viel lernen von der Riva Aquarama. Vor allem: die Kunst der formvollendeten Zeitverschwendung.

A

lles wahrhaft Schöne muss in seinem Grunde nutzlos sein. Welch anmaßend kleinbürgerlicher Anspruch an einen Gegenstand, zu irgendeinem Gebrauch in besonderer Weise geeignet zu sein. Das Konzept „Nützlichkeit“ verrät das Hier und Jetzt, um etwas anderes im Blick zu behalten und ihm zu dienen. Eine furchtbare Verschwendung. Würde man das Musenpferd Pegasus vor einen Pflug spannen? Ebensowenig würde man die Riva Aquarama allen Ernstes für zielgerichtete Fahrten auf dem Wasser missbrauchen wollen.

Riva-Aquarama 1949 begann Carlo Riva mit der Produktion eleganter, großzügig motorisierter Holzboote, die mit ihren schwungvollen Linien und reichen Chromverzierungen das ästhetische Prinzip der zeitgenössischen Straßenkreuzer aufs Wasser übertrugen. Folgerichtig hatten sie ein richtiges Cockpit mit Tachometer und Lenkrad, im Heck verrichteten Motoren von Cadillac oder Chrysler dumpf blubbernd ihren Dienst. Sein Meisterstück lieferte Riva 1962 mit der Aquarama ab: Endlos langgestreckt, mit breiter Brust und einer großflächigen Liegewiese über der schmalen Taille macht die Aquarama keinen Hehl daraus, wozu sie eigentlich zu gebrauchen ist: jedenfalls zu nichts besonders Sinnvollem. Als mobile Badeplattform eignet sie sich, als Sonnenliege mit Achtzylinder-Motor oder auch als kräftiges Zugpferd beim Wasserski. Doch ein wenig Regen genügt — und das klapprige Verdeck wird all das chrombesetzte Mahagoni vergessen machen.

Die Aquarama erfreut sich heute einer großen Fangemeinde, doch wenn man sie nicht mit dem Geld seines reichen, hart arbeitenden Vaters kaufte, wenn einem nicht die zugehörige Villa an einem oberitalienischen See gehört sowie Jugend, Schönheit und alle Zeit dieser Welt — dann bleibt einem als zielstrebiger, verantwortungsbewusster Mensch nur das neidvolle Staunen über die makellose Schönheit vollständiger Nutzlosigkeit.

768 Exemplare der Riva Aquarama wurden von 1962 bis 1996 gebaut, eine stattliche Zahl für einen derartigen Luxusartikel. Noch um ein Vielfaches höher allerdings dürfte die Zahl der Riva-Liebhaber sein, die sich das Sehnsuchtsobjekt als Modell auf den Schreibtisch stellen, wo es durchaus etwas deplaziert wirken kann. Solange es nur als stete Mahnung dient, der Nutzlosigkeit im Alltag mehr Raum zu geben, als eine Fläche von 40 x 20 Zentimetern neben dem Telefon.

-aldus



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Kommentare  

 
0 #1 2012-07-14 17:02
Mit 12 Jahren habe ich bei einem Urlaub
in Italien, Lago Maggiore zum ersten mal
eine Aqua Riva gesehen. Seit dem fasziniert mich dieses elegante, zeitlose
Boot.
Dies ist nicht nur ein Hauch von Luxus
sondern eine einzigartige handwerkliche
Meisterleistung im Holzbootsbau.
Werden diese Boote hoffentlich nie aussterben. Wie kommt man auf chrombesetztes Mahagoni? So wie ich weiß ist es V4A,hochglanzpo liert u. salzwasserbestä ndig.
Mahagoni und polierter Edelstahl;
Besatzung; Brad Pitt und Angelina Jolie
Ich würde was drum geben mit diesen beiden eine Runde auf dem Lago Maggi zu drehen! Brad Pitt liebt schöne Häuser warum nicht auch eine Aqua Riva!

V.Hering
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