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aldus- High-End-Fanatiker mögen die Nase rümpfen, doch wessen Auge mithört, der macht mit den BeoLab 8000 sein Wohnzimmer zu einer Kathedrale des Klangs.

E

r ist eines dieser Designobjekte, die man nicht mehr vergisst: Der Lautsprecher BeoLab 8000 der dänischen Firma Bang & Olufsen. Einer Orgelpfeife nachempfunden läuft der schwere Metallkörper sich unten verjüngend gerade einmal pfennigbreit in den Standfuß — scheinbar alle Gesetzmäßigkeiten der Materialkunde verspottend.

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Wo andere sich breite, wuchtige Lautsprecherbatterien in die Wohnung würfeln, steht der BeoLab 8000 schmal, stolz und hochaufragend. Und klingt dabei auch noch verboten gut. Sicher gewann dieser Lautsprecher keine Hifi-Preise, auch empfiehlt Bang & Olufsen in größeren Räumen den zusätzlichen Betrieb eines Subwoofers, doch sind die geringen klanglichen Einbußen leicht zu verschmerzen angesichts dieses famosen Stilwillens, der sich nichts und niemandem untertan macht.

Der kleine Junge drückte sich die Nase platt am Hifi-Geschäft (als es noch Hifi-Geschäfte gab) und ahnte im Angesicht dieses akustischen Wunders, dass wohl alles möglich ist, wenn man es nur will. Der Erwachsene kauft ihn sich und weiß: Es stimmt.

Obwohl er mit allen Konventionen brach, ist der Beolab 8000 keine extravagante Design-Eintagsfliege geblieben, knapp zwanzig Jahre nach seiner Markteinführung ist er vielmehr schlicht und ergreifend ein Klassiker. Dabei ist die Grundlage seiner Formgebung, die Ausgangsvermutung seiner Hersteller eigentlich höchst einleuchtend: Nur die wenigsten richten ihr Haus oder ihre Wohnung mit nichts anderem als einer Hifi-Anlage ein. Also sollten sich deren Elemente nach Möglichkeit harmonisch einfügen, statt wuchtig zu dominieren. Nachdem der altehrwürdige Phonoschrank ausgedient hat, bleiben als sichtbarstes Element jeder Anlage noch die Lautsprecher — und hier gilt nun einmal die Gesetzmäßigkeit: Größe = Qualität. Nur durch aufwendige Technik kann der Physik in dieser Hinsicht ein Schnippchen geschlagen werden, und so geht der Hauptteil des überaus stattlichen Preises der BeoLab 8000 nicht, wie von Kritikern immer wieder gern vermutet, direkt an den Designer, sondern ist in Anbetracht der hochwertigen Ausstattung durchaus gerechtfertigt.

Luxus ist bekanntlich, auf Kompromisse verzichten zu müssen. Für wenig Geld bekommt man kleine Lautsprecher, die gut aussehen, oder große Lautsprecher, die gut klingen. Aber wer es sich leisten kann, lässt mit ein paar Tausend Euro und den BeoLab 8000 das kleine Wörtchen „oder“ verschwinden. Im Kapitalismus haben eben selbst Konjunktionen ihren Preis.

-aldus




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