Was ist Lebensart?

Der Begriff Lebensart steht heute in nicht allzu gutem Ruf. Man verbindet übereifrige Makler damit, die von „toskanischer Lebensart in Brunsbüttel“ fabeln, affektierte Restaurantbesucher und überteuerte Weine in kindskopfgroßen Gläsern. Dabei sollte Lebensart zunächst einmal ganz neutral die Art und Weise bezeichnen, in der wir unser alltägliches Leben einrichten. Und ob wir dessen gewahr sind oder nicht: Tag für Tag treffen wir unzählige Entscheidungen, die nicht nur den Stil, sondern auch die Qualität unseres Lebens ganz unmittelbar beeinflussen. Warum also nicht ein wenig mehr Bewusstheit in diese Entscheidungen legen, warum nicht etwas genauer hinschauen, kritisch hinterfragen? Lebensart ist nicht das möglichst schnelle Verschleudern möglichst astronomischer Summen und die effektive Zurschaustellung von Überfluss, sondern der Entschluss, den eigenen Überzeugungen möglichst umfassend treu zu bleiben. Natürlich stehen nicht Rebsorten und Whiskymarken im Vordergrund eines richtig gelebten Lebens – doch warum nicht auch im Kleinen auf echte Werte achten, wie Schönheit etwa und Vernunft? Lebensart findet nicht nur unter Palmen statt, im Gegenteil, es ist ein ziemlich leichtes, auf den Malediven glücklich und zufrieden zu sein. Überall sonst lohnt es sich, zwischen Qualität und Pfusch zu unterscheiden, zwischen dem Werk eines Könners und seelenloser Massenware. Das ist wahre Lebensart: Die Bereitschaft, auf die wirklich relevanten Unterschiede zu achten und sich den Luxus eines eigenen Urteils zu gönnen.

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